Kampf der Luftmassen: Wie ein Klimaphänomen im Nordatlantik unseren Winter beeinflusst | The Weather Channel (2024)

Kampf der Luftmassen: Wie ein Klimaphänomen im Nordatlantik unseren Winter beeinflusst | The Weather Channel (1)

Auf einen Blick

  • Die Großwetterlage in Europa prägen vor allem zwei Druckgebiete: das Azorenhoch und das Islandtief
  • Azorenhoch und Islandtief sind dynamisch miteinander verbunden
  • Bei einer klassischen Winterlage legt sich das Azorenhoch über die Kaltluft und es ist wochenlang kalt

In diesem Jahr sieht es sehr stark nach einem kalten Winter aus. Die Klimamodelle gehen mehrheitlich von einem kühlen Winterszenario aus. Und auch die allgemeine Lage in der Atmosphäre spricht eher für kaltes Wetter.

Islandtief ist auf dem Vormarsch

Die Winter in Deutschland sind in den vergangenen Jahrzehnten zunehmend milder geworden. Das liegt vor allem daran, dass warme Luft vom Atlantik auch währen der kalten Jahreszeit nach Deutschland strömte. Denn Meeresluft ist grundsätzlich milder als kontinentale Luft im Winter. Man kann sagen, dass sich in den vergangenen 20 Jahren ein neues Wintermuster ausgebildet hat.

Immer wenn der Polarjet stark ist, dann bilden sich Tiefdruckgebiete über dem Nordatlantik, die sich anschließend auf den Weg nach Nord- und Mitteleuropa machen. Die Tiefs bringen dann auch immer wieder milde Luft mit sich.

Wettermotor: Azorenhoch und Islandtief

Die Großwetterlage in Europa prägen vor allem zwei Druckgebiete: das Azorenhoch und das Islandtief. Diese beiden Druckgebilde sind fast immer da. Mal sind sie stärker ausgeprägt und mal schwächer. Auch verharren sie nicht immer auf der Stelle, sondern wandern etwas ab. Wenn das Islandtief auch wirklich über Island liegt, dann bleibt der Winter in Nord- und Mitteleuropa mild. Und genau das ist in den vergangenen 20 Jahren fast ausnahmslos passiert. Ein starker Polarjet hat immer wieder die Islandtiefs angetrieben und milde Atlantikluft hat die Winter mehr oder weniger zunichte gemacht - zumindest wenn man Winter so definiert, dass es Schnee und Frost gibt.

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Man kann sich das gut vor Augen führen, wenn man sich die Zahlen für Skandinavien anschaut. Ist das Islandtief stark, schwanken die Temperaturen zwischen -9 und +6 Grad. Ist das Islandtief aber schwach, bewegen sich die Werte zwischen -16 und +1 Grad. Der Unterschied ist also erheblich.

Islandtief als Dürre-Treiber

Für Südeuropa hat das neue Wintermuster deutlich schlimmere Folgen. Denn hier fehlt der Winterregen. Es kommen fast keine Tiefdruckgebiete im Süden Europas an und damit ist es hier viel zu trocken. Eigentlich handelt es sich beim Mittelmeerklima um ein Winterregenklima. Doch der Niederschlag kommt nicht mehr, oder zumindest nicht mehr so zuverlässig. Was bei uns also grüne Weihnachten zur Folge hat, verursacht im Süden Europas eine Dürre.

Das Azorenhoch und Islandtief sind dynamisch miteinander verbunden: Zusammen bilden sie das Klimaphänomen Nordatlantische Oszillation (NAO), das vor allem in der kalten Jahreszeit unser Wetter besonders beeinflusst. Die Druckgegensätze zwischen dem Azorenhoch und dem Islandtief wird durch den NAO-Index erfasst.

Wenn das Islandtief und der Polarjet stark sind, spricht man von einem positiven NAO-Index. Doch der Index kann auch ins Negative umkehren. Dann wird das Azorenhoch auf dem Atlantik sehr stark, blockiert den Jet und lenkt die Tiefdruckgebiete nach Südeuropa. In der Folge fließt polare Kaltluft nach Europa ein.

So entsteht eine klassische Winterlage

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Bei einer klassischen Winterlage legt sich das Azorenhoch über die Kaltluft und es ist wochenlang kalt. In Südeuropa hingegen kommt es zum Winterregen. In den Hochalpen hingegen kommt es zu einem unerwarteten Effekt. Denn die Berge ragen in den Hochdruck hinein und dann ist es in der Höhe wärmer und sonniger als normalerweise.

Für Europa kommt es also darauf an, wie sich Islandtief und Azorenhoch in den Wintermonaten verhalten. Die große Frage bleibt aber: Wer bestimmt denn, ob das Azorenhoch stark ist oder doch das Islandtief die Oberhand behält? Hier kommen globale Wettersysteme ins Spiel. Es ist zwar noch nicht komplett erforscht, was wirklich die Auslöser sind, aber man konnte schon gewisse Treiber und Frühindikatoren identifizieren. Und damit kann man auch einen längerfristigen Ausblick auf unser Wetter geben.

Polarwirbel steuert den Polarjet

In den vergangenen Jahren ist der Polarwirbel immer wichtiger geworden. Dabei handelt es sich um einen Tiefdruckwirbel in der Stratosphäre, der über der Wetterschicht der Atmosphäre liegt. Im Winter ist die Trennung zwischen den Atmosphärenschichten deutlich schwächer, sodass sich der Polarwirbel in den Polarjet einklinken kann, einem Starkwindband in 8 bis 12 Kilometern Höhe.

Es entsteht ein Gebilde, dass von oben nach unten von einem kreisrunden Wirbel zu einem eher chaotisch anmutenden Windband wird. Wird der Wirbel in der Höhe gestört, hat das dramatische Folgen auch für den Jet.

Wird der Poalrwirbel abgedrängt oder ganz zerteilt, dann kann auch der Jet zusammenbrechen und das Azorenhoch übernimmt das Wettergeschehen. Die Folge sind Kälteeinbrüche aufgrund eisiger Luftmassen, die aus Norden oder Osten zu uns strömen.

Die Frage nach dem Auslöser

Bleibt die Frage nach Ursache und Wirkung. Ist ein schwacher Polarwirbels dafür verantwortlich, dass das Azorenhoch stark wird? Oder wirkt ein starkes Azorenhoch bereits früh auf den Polarwirbel und stört ihn? Das ist noch nicht gänzlich geklärt, es spricht aber einiges dafür, dass eher das starke Azorenhoch der Auslöser ist. Und die Ursache hierfür sind ist möglicherweise in den Tropen zu finden, von wo atmosphärische Wellen nach Norden reisen. Das Problem ist allerdings, dass wir uns in einem dynamischen System befinden. Da kann man nicht immer genau sagen, was am Ende wirklich der Auslöser war.

Winde machen Polarwirbel instabiler

Wenn wir uns den Polarwirbel anschauen, dann scheint er schwach zu sein in diesem Jahr. Bereits im Oktober gab es eine kräftige Störung. Und immer wenn das passiert, dann kann man rund sechs Wochen später von einer weiteren, starken Störung ausgehen. Das wäre dann in diesem Falle im Dezember der Fall. Außerdem hat der Polarwirbel Gegenwind. Die Winde in der Stratosphäre wehen aus Ost. Das ist ungünstig für den Polarwirbel und macht ihn instabiler.

Auch die Auswertungen der Klimamodelle weisen darauf hin, dass wir diesen Winter einen negativen NAO-Index erleben werden. Das bedeutet, dass das Azorenhoch erstarken wird und uns einen eiskalten Winter beschert.

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